10.12.14: Der Winterblues

von Marisa Brunner

Werden Sie vom Gastgeber zum Feldherrn 

Wenn alles nur grau ist, ist selbst schwarz eine Farbe 

Der Winterblues wird als eine saisonale Depression definiert. Die Zeitumstellung im Oktober verkürzt die Helligkeit des Tages und verlängert die Dunkelheit der Nächte. Die dazwischen liegende Palette an Grautönen lässt uns schwarz malen: Vernebelter Himmel, statt farbiger Regenbogen. Bleierne Müdigkeit statt Leichtigkeit. Kalte Asche statt feuriger Energie. Graue Maus statt bunter Vogel und getrübte Stimmung statt sonnigem Gemüt. Der Mangel an UV-Licht raubt uns wortwörtlich unseren Glanz, unser Feuer und unsere Strahlen. Kein Glanz und kein Gloria.

Die feindlich-freundliche Truppe von Hormonen 

Der Level des Schlafhormons Melatonin bleibt tagsüber hoch. Verwunderlich ist das nicht. Wir verlassen das Haus am Morgen bei Dunkelheit und kehren nach Feierabend in ebensolcher heim. Das nasskaltgraue Wetter lockt niemanden an die frische Luft. Anhaltender Stress schiesst Cortisol in die Blutbahnen, Insulin wird ausgeschüttet und zusätzliche Energie freigesetzt. Mangels Lust auf Bewegung haben wir keine Verwendung für diese Power. Sie wird als Fett gespeichert und das Insulin jagt den Blutzucker in den Keller. Das erklärt den nach Kalorien gierenden Heisshunger. Die anfängliche Zwickmühle droht mit Schachmatt.

 

Jetzt brauchen wir strategische Hartnäckigkeit und Serotonin. Das Glückshormon holt unsere Stimmung aus dem dunkelgrauen Keller. Ausserdem dämpft es körperliche Schmerzen. Das schenkt Nerven und Tatkraft. Der Appetit gleicht sich aus. Wir erkennen schliesslich die Buntheit des Winters: bienenwachsfarbige Kerzen, orange Zitrusfrüchte, rote Weihnachtssternblüten, Blaukohl, grüne Autobahnschilder (oder Tannen oder Lindenapothekenlogos ;)) und das farbenprächtige Strahlen von Kindergesichtern, wenn Sie von Adventskalendern, Wünschen und dem Zusammensein mit der Familie erzählen.

 

 

Das meint Marisa Brunner, zuständig für das Lindenblatt.

Wie Sie dem Winterblues den Marsch blasen und das Serotonin zum Tanzen bringen, lesen Sie im kommenden Beitrag des Lindenblogs, geschrieben von Chris Regez.