Drittes Lindenforum: Sicherheit

Nach wie vor ein brillanter Rhetoriker: Oberstleutnant Urs Winzenried sprach im Lindenforum über die Sicherheit.

Die Themen, die im Lindenforum in Schöftland geboten werden, stossen auf immer grösseres Interesse. Der Vortragssaal im Park war sehr gut besetzt, als Kripo-Chef Oberstleutnant Urs Winzenried auf dem Programm stand. Es konnte die Zuhörer beruhigen: Der Kanton Aargau gilt noch immer als ziemlich sicher.

Sicherheit gehört ebenso zum Lebensgefühl wie Gesundheit und Wohlstand. Von daher gesehen passte das Thema "Wie können wir an der Sicherheit arbeiten", mit Kripo-Chef Urs Winzenried als Redner, ausgezeichnet hierher. Wie Gastgeber Andreas Brunner betonte, ist Urs Winzenried zur Zeit der dienstälteste Kripo-Chef in der Schweiz, und schon zweimal in seiner Karriere übernahm er sogar das Kommando interimistisch, nämlich nach der Pensionierung von Léon Borer und nach dem Rücktritt von Stephan Reinhard. Brunner habe Winzenried immer sehr geschätzt, als ruhenden Pol mit grosser Effizienz.

Das Wort ist die beste Waffe

Damit erlosch der Beamer, und Winzenried trat ohne jegliches Hilfsmittel vor sein Publikum, denn "die beste Waffe ist das Wort!" Er erklärte, dass Anlässe wie jetzt im Lindenforum der Imagepflege des Aargauer Polizeikorps dienen, obwohl dieses schon von der Arbeitsleistung her gut dastehe. Er kam in Uniform, weil er stolz sei, zur Kapo zu gehören. Das Uniformtragen bedeute für ihn eine Ehre.

Sicherheit bewege, so Winzenried. Dabei gehen die subjektive und die effektive Sicherheit oft auseinander. "Uns geht es punkto Sicherheit besser als wir oft fühlen." Zwar würden wir in einer nicht ganz heilenWelt leben, aber die Bürger dürfen sich sicher fühlen. Keiner erinnere sich zum Beispiel daran, dass es Jahre gab mit sehr viel mehr Delikten als heute. Einbruchdiebstähle waren vor 20 Jahren häufiger als heute, trotzdem fühlte man sich damals sicherer. Daran seien nicht zuletzt die Medien schuld, die praktisch in Echtzeit über alles berichten.

Drei Schwerpunkte

Straftaten, Strassenverkehr und allgemeine Sicherheit seien die drei Bereiche, um die sich die Polizei intensiv kümmert. Der Aargau ist der viertgrösste Kanton und hat, gemessen an der Bevölkerungszahl, das kleinste Korps. Auf einen Polizisten kommen 720 Personen. der Schweizer Durchschnitt liegt bei 1:460, im Aargau wird auf das Jahr 2017 1:700 angestrebt. Das sei nur möglich, weil der Aargau ein Durchfahrtskanton ist. Die Probleme treten vor allem auf der Strasse und durch den Kriminaltourismus auf. Erschwernisse dabei sind jedoch ein grossesWachstum und dezentrale Strukturen. "Die Polizei muss überall präsent sein, und das macht die Arbeit schwieriger, zumal wir mehr und mehr eine 24-Stunden-Gesellschaft haben, was für die Polizisten Nachtarbeit bedeutet. " Dazu bringen die offenen Grenzen mehr und mehr "Kunden" aus dem Ausland herein.Auch ohne Grossereignis sei die Grundbelastung hoch, weil das Korps von minimaler Grösse sei.

Winzenried befürwortet die duale Sicherheit mit Kantons- und Regionalpolizei (17 Repols mit 270 Polizisten sind über den ganzen Kanton verteilt). Auch die Ausbildung sei optimal. Zugelassen wird nur,wer eine Berufslehre und - bei den Männern - Militärdienst nachweisen kann. Die Fluktuation sei gering und passiere meistens infolge Pensionierung.

Klare Richtlinien

Gemäss Leitbild steht der Mensch bei der Polizei immer im Mittelpunkt, denn der Bürger ist der beste Verbündete, nicht zuletzt dank Nachbarschaftshilfe. Null-Toleranz wird bei Gewalt und bei Raserei gewährt. Bei häuslicher Gewalt passiert ein rigoroser Durchgriff mit Verzeigung bei Schlagen und Drohen. Das seien keine Kavaliersdelikte, rund 1300 Mal muss die Polizei pro Jahr deswegen ausrücken. Geduldet werden keine Drogenszene und keine Betrunkenen.

Schliesslich mahnte er: "Asylanten sind nicht per se kriminell!" Im Aargau wohnen im Durchschnitt 23 Prozent Ausländer, in Aarburg beispielsweise sogar 40 Prozent - und ausgerechnet hier ist die Ausländerkriminalität verschwindend klein.

Ausblick

Der Wechsel vom Bezirksamtmann zur Staatsanwaltschaft machte die Polizeiarbeit wesentlich komplizierter, es gibt viel mehr Formalitäten, ein Umdenken ist erforderlich. Ab 1. Oktober kann ein Konsument von Haschisch mit einer Busse bestraft werden - dies dient der Entkriminalisierung bei Kleinstmengen bis zehn Gramm.

Ein Problem sind mehr und mehr die "High-Risk-Spiele" im Fussballstadion. Diese erfordern einAufgebot von Hundertschaften, die dann drei Stunden vor dem Spiel und ebenfalls nach dem Spiel präsent sein müssen - und das "für ein paar der Primitivsten, die sich in die Haare geraten könnten" - ein unschönes Problem in der doch sonst so friedlichen Schweiz.

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