04.08.14: Krankheit des Monats: Schlafprobleme

Die Sache mit dem Schlaf

Jeder Mensch kennt es: man kann und kann nicht einschlafen. Besonders bei den tropischen Sommernächten (über 20° Celsius) ist es manchmal fast zum Verzweifeln. Trotz Müdigkeit wälzt man sich hin und her und bleibt „unendlich“ lange wach. Dies ist im wortwörtlichen sehr „ermüdend“. Man wälzt sich hin und her und sucht nach dem kühlen Teil des Kopfkissens und klemmt die Bettdecke zwischen die Beine, damit sie nicht aneinander kleben. Im Kopf dreht sich alles darum, wie schlimm es ist, keinen Schlaf zu finden. Und die Gedanken kreisen um Probleme, Aufgaben usw. Das Resultat: die Schlaflosigkeit sorgt dafür, dass man am anderen Tag zerknittert aus der Wäsche schaut. Und während der Nacht hat man im Bett Stress statt Schlaf gefunden.

Fakt ist: fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung kämpft mit Schlafproblemen. Unabhängig von der Jahreszeit – also nicht nur während der Sommermonate. Die andere Hälfte freut sich über einen guten Schlaf. Diese Menschen schlafen täglich acht Stunden ruhig, tief und friedlich. Am Morgen sind sie ausgeruht, ausgeglichen, in guter Stimmung und leistungsbereit. Die Schlaflosen dagegen sind gereizt, blasen Trübsal und haben Mühe, sich zu konzentrieren. Oder anders formuliert: der Schlaf trennt die Schweiz in glückliche und unglückliche Menschen.

 

Wieso schläft der Mensch überhaupt?

Diese Frage ist einfach zu beantworten, oder? Der Mensch braucht regelmässig Schlaf und Ruhepausen, um Körper und Seele zu entspannen und um sich zu erholen. Diese schöpferische Pause vom Alltag ist lebensnotwendig, um neue Kräfte zu sammeln. Allerdings können die Schlafforscher die oben gestellte Frage laut „status quo“ nicht klar beantworten.

Dem Schlaf wurde lange Zeit keine wichtige Funktion zugesprochen. Er wurde sogar als Zeitverschwendung betrachtet und hatte den Beinamen „kleiner Bruder des Todes“. Er war negativ etikettiert. Die Forschung ist mittlerweile an einem anderen Punkt angelangt: Wer schläft, überlebt und geht besser durchs Leben. Auch wenn wir damit einen Drittel unseres Lebens „verpennen“. Doch so einfach ist es mit dem Schlaf trotzdem nicht: inzwischen gibt es rund 100 verschiedene Schlafstörungen, die identifiziert wurden. Wer das Vertrauen in den Schlaf verliert, steht vor folgendem Problem: die optimale Schlafarchitektur bröckelt.

 

Der optimale Wecker klingelt nach dem Traumschlaf

Der Schlaf ist kein konstanter Zustand. Doch im Vergleich zu den meisten Tieren kommt der Mensch auffällig oft in den Tiefschlaf, da dieses „System“ relativ gut entwickelt ist. Während des Schlafs werden durch bestimmte Hormonausschüttungen die wichtigsten Wachstum- und Reparaturarbeiten am Körper vorgenommen. Das Gehirn wird „aufgeräumt“ und Erinnerungen, Gedanken und Gefühle werden geordnet.

Je nach Schlafdauer durchlaufen wir pro Nacht vier bis fünf Schlafzyklen à je 90 Minuten. Nach dem Einschlafen gleiten wir in den Leichtschlaf. Danach sinken wir in den wichtigen Tiefschlaf, tauchen wieder auf und „erleben“ den REM-Schlaf, auch als Traumschlaf bekannt. Während dieser Phase bewegen sich unsere Augen hin und her. Die Körpermuskulatur dagegen ist wie gelähmt. Das verhindert, dass Träume mit unbewussten Bewegungen ausgelebt werden. Voraussetzung für ein müheloses Aufstehen ist, dass der Wecker am Ende einer Phase klingelt. Wenn uns der Wecker aus dem Tiefschlaf reisst, sind wir matschig und der Tag wird mühsam. Die zum Aufwachen geeigneten Leichtschlafphasen erreichen wir nach ca. fünfeinhalb, sieben oder achteinhalb Stunden (plus ungefähre Einschlafzeit von 15 Minuten). Allerdings ist der Schlaf für jeden Menschen anders und variiert im Verlauf des Lebens.

 

Kennen Sie Ihre innere Uhr?

Die menschliche Natur funktioniert so: Aktivität am Tag – Ruhe in der Nacht. Am Tag hält uns das Stresshormon Cortisol auf Trab und während der Dunkelheit schüttet der Körper das Schlafhormon Melatonin aus. Weil der Schlaf und die Nachtruhe so wichtig sind, sollte der Tagesablauf gut strukturiert werden.

Ist es aber nicht eher so, dass wir damit im Wettbewerb stehen? Typische Beispiele für diese Konkurrenz sind Jetlag und Schichtarbeit. Verschiedene Zeichen der heutigen Zeit bringen unsere innere Uhr immer wieder durcheinander.

Schlaftherapien setzen genau hier ein: die Patienten sollen sich auf ihre innere Uhr besinnen. Dadurch machen sie sich bewusst, welche Störungen ihrem Rhythmus im Weg stehen. Der Mensch soll wieder in der Lage sein, Verantwortung für seinen Schlaf zu übernehmen.

 

Das meint Olivia Realini, Pharma-Assistentin in der Lindenapotheke Entfelden beim Coop.

 

 

Olivia Realini, Pharma-Assistentin, Lindenapotheke Entfelden