23.05.14: Herzinfarkt

Mein Leben nach dem Herzeingriff

Im Februar 2002, während den Skiferien im Wallis, wurde ich von einer Herzattacke heimgesucht. Ich erwachte nachts mit Brustschmerzen und starkem Schwitzen. In den nächsten Tagen verspürte ich keine Schmerzen mehr. Nur eine Woche später wiederholte sich der gleiche Vorfall. Doch diesmal um einiges intensiver. Nach einem Telefongespräch mit meinem Hausarzt reiste ich sofort aus den Ferien ab und ich wurde im Herzkatheterlabor in Aarau für eine Untersuchung angemeldet. Während der Heimreise hatte ich genügend Zeit zum Nachdenken. Hatte ich vorher schon Anzeichen wahrgenommen? Was war der Auslöser dieser gesundheitlichen Krise?

Ja, klar! Am Sonntag zuvor verspürte ich bei einer Wanderung bergauf Brustschmerzen. Eigentlich „klassisch“. Aber habe ich das richtig eingeordnet? Nun, als Präsident des Verwaltungsrates einer Pharmagrosshandelsfirma war ich dauernd den Querelen zwischen Schweizer und Deutscher Seite ausgesetzt. Und dies zusätzlich zu den normalen Belastungen des Tagesgeschäftes und der Politik. Das Verzwickte an der Situation: ich konnte nur durch einen Rücktritt die damalige Thematik entschärfen. Diesen Schritt vollzog ich später. Braucht es wirklich zuerst eine Herzattacke, um zu merken, was für Körper und Seele schlecht ist?

In Aarau auf dem Schragen liegend, schaute ich den Ärzten bei der Arbeit zu. Sie stiessen mit dem Katheter in die Herzgegend vor und fanden eine Verstopfung in einem der Gefässe. Beim Durchstossen dieses Pfropfens verspürte ich eine riesige Erleichterung. Ich konnte wieder tief durchatmen und merkte: „Das war’s.“ Später wurden zwei Bypässe eingesetzt.

Ich spürte die neu gewonnene Lebensqualität sofort. Sie war enorm. Seit diesem Ereignis gehe ich regelmässig in ärztliche Kontrolle und lasse die Blutwerte testen. Ausserdem trainiere ich meine Ausdauer. Aber sonst? Bin ich mir bewusst, dass ich ohne moderne Operationstechnik und ärztliche Kunst vielleicht nicht mehr am Leben wäre? Bin ich mir bewusst, dass ich meinen Körper schonender behandeln sollte? Oder fahre ich im „alten“ Stil weiter?

Es ist beides. Ich ertappe mich ebenso oft beim „Sündigen“ wie auch beim „bewusster Leben“ Doch was braucht mein Körper wirklich? Schmalkost in allen Bereichen? Ein Leben ohne Ärger und nur mit Ferien und Freizeit? Oder soll ich mich vielleicht bewusst in die Arbeit stürzen, um mir und meinem Umfeld zu beweisen, dass ich nach wie vor „alltagstauglich“ bin? Wahrscheinlich von allem etwas. Die Zauberformel heisst: „Lebe bewusst und geniesse den Tag, wenn er dir gefällt. Vermeide Situationen, bei denen du in ein auswegloses Problem hineinschlitterst.“ Das ist manchmal leichter gesagt als getan. Aber ich versuche es. Eine weitere wichtige Regel: freue dich über die kleinen Dinge des Alltags und ärgere dich nicht über alles und jeden. Das Leben läuft, wie es muss. Eine gewisse Portion Fatalismus schadet nicht. Aber lass dich nicht fremdbestimmen. Das Leben ist vergleichbar mit einer Wildwasserfahrt. Es geht immer vorwärts und ich muss den Hindernissen geschickt ausweichen. Die Unterscheidung von Eu-Stress (positiver, motivierender Stress) und Dis-Stress (negativer, belastender Stress) ist entscheidend: Die Differenzierung und Kategorisierung darüber – oder anders gesagt, das „Gspüri“ dafür - muss ich mir selber aneignen.

In den letzten zwölf Jahren habe ich viel Gefreutes erlebt. Ich hoffe auf viele weitere solche Jahre.

Das meint Dr. Andreas Brunner, Ihr Lindenapotheker.

Andreas Brunner, Dr. sc. nat. eidg. dipl. Apotheker, Geschäftsinhaber