Editorial

Dienstleistungen sind in aller Leute Mund. Doch wie sollen diese im Einzelnen aussehen? Es gibt so viele Anspruchsgruppen, so viele Ansprechspersonen, so viele Anbieter, dass «Dienstleistung » in allen Berufsgruppen anders aussieht. Als Dienstleistung wird im Gegensatz zur Warenproduktion die Leistung verstanden, die notwendig ist, damit ein hergestelltes Produkt zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Menge und am richtigen Ort angewendet wird, um die optimale Wirkung zu erzielen. Damit sind wir Apotheker/-innen ganz direkt angesprochen. Die Herstellung in den Apotheken hat ihren Stellenwert weitgehend verloren, nur noch sehr wenige Produkte werden hier hergestellt, vor allem auf Rezept. Die Dienstleistungen stehen für uns immer mehr im Vordergrund.

Die steigende Lebenserwartung, die Zunahme von Menschen mit chronischen und mehrfachen Erkrankungen und leider auch der zunehmende Mangel an Hausärzten haben diese Funktion für die Apothekerschaft immer mehr in den Vordergrund unserer Tätigkeit gerückt. Man geht davon aus, dass täglich rund 300 000 Personen in einer der 1750 Apotheken in der Schweiz beraten werden und Lösungen finden. Das trägt dazu bei, dass unser Gesundheitssystem zu den patientenorientiertesten weltweit gehört. Jede Apotheke bietet ihren Service oder ihre Dienstleistungen jederzeit an, in Notfallregionen, wie wir sie im Aargau kennen, sogar rund um die Uhr, ohne Termin, ohne Voranmeldung. Wichtig für die Kundschaft ist die Vernetzung der Apotheke mit der Ärzteschaft, mit den Krankenkassen und mit weiteren Dienstleistern im Gesundheitsbereich. Diese Zusammenarbeit innerhalb der einzelnen Berufsgruppen wird in Zukunft mit einem elektronischen Patientenausweis und dem elektronischen Patientendossier breit abgestützt; Stichwort e-Health. Alle wichtigen Daten sollen für Berechtigte zugänglich sein. Damit sollen Doppelspurigkeiten vermieden werden und auch in Notfällen eine lückenlose Dokumentation vorhanden sein. Datenschutzthemen sind im Moment das grosse Fragezeichen zu diesem Projekt.

Eine weitere Dienstleistung, die in der Apotheke angeboten wird, ist Netcare. Dabei geht es um eine Erstberatung in der Apotheke mit der Möglichkeit einer ärztlichen Konsultation. Dies ist für den Notfall gedacht, wenn kein Hausarzt erreichbar ist. Bei Bedarf kann ein Arzt telefonisch zugezogen werden. In absehbarer Zukunft – je nach Entscheidung des Bundesrates – sollen auch in der Apotheke rezeptpflichtige Medikamente nach einem genauen Schema (Algorithmus) in leichten Krankheitsfällen abgegeben werden können. Mit Netcare werden wir in der Lindenapotheke Entfelden einen Pilotversuch starten. Angeboten werden in allen Lindenapotheken die HerzChecks®, die von der schweizerischen Herzstiftung propagiert werden. Hier können Sie kurzfristig einige wichtige Körperfunktionen testen lassen.

Gibt es Veränderungen in Unterentfelden? Unterentfelden ohne Post? Wir sind in Verhandlungen mit der Post, eine Postagentur in der Apotheke nebenan einzurichten. Ein definitiver Entscheid fällt im Mai. Obwohl noch nichts feststeht, sehe ich dem Entscheid mit guten Gefühlen entgegen. Wichtig für die Bevölkerung von Unterentfelden wäre die Wiederbesetzung der verwaisten Arztpraxis an der Feldstrasse.

Als eine Ausweitung unserer Dienstleistungen planen wir die Erweiterung unserer Öffnungszeiten in der Lindenapotheke Entfelden beim Coop durchgehend von 8.00 bis 18.30 Uhr (Donnerstag und Freitag bis 19.00 Uhr), Samstag 8.00 bis 17.00 Uhr.

Mit all diesen Serviceangeboten wollen wir der Zukunft positiv entgegengehen. Mal sehen, was sich machen lässt; dann machen, was sich sehen lässt.

Herzlichst!

Ihr Lindenapotheker

Dr. Andrea Brunner

Unsere Kinder - unsere Zukunft

Von Freuden, Pflichten, Gefahren und Verantwortung im Familenalltag

Finden Sie auch, dass die Kindheit der prägende Lebensabschnitt des Menschen ist? Während der ersten Wochen, Monate und Jahre eines Menschenlebens passiert unendlich viel. Manchmal scheint es – gerade weil die Bereiche Familie, Ehe und Fortpflanzung so im ethischen Wandel sind wie wenige andere –, dass wir die Kinder in vielen Diskussionen, die sich um sie drehen, fast vergessen. Wie schaffen wir soziale Gerechtigkeit von Kindern und damit einhergehend Nachhaltigkeit für die Generationen? Lösungen könnten in wirtschaftlichem und technologischem Fortschritt liegen.

 

Natürlich spielt die Gesundheit bei Kindern eine zentrale Rolle. Im Umgang mit Kindern allen Alters ist schnell ein kleiner oder auch schwerer Unfall geschehen. Eine Betreuungsperson – egal ob es die Eltern, Grossmami oder Grosspapi, Gotti oder Götti, andere Verwandte oder Bekannte sind – tut gut daran zu wissen, was im Alltag mit Kindern alles passieren kann, wie die Notfallsituation einzuordnen ist, damit schnell reagiert und geholfen werden kann. 

Dabei kann und will die Lindenapotheke mit dieser Ausgabe des «Lindenblatts» helfen. Wir haben in dieser Ausgabe unserer Hauszeitung einiges an Wissen und Erfahrungen zusammengetragen. Freuen Sie sich auf eine unterhaltsame und lehrreiche Mischung einerseits aus fachlicher und anwendungsbereiter Apothekenberatung, andererseits aus persönlicher Erfahrung aus erster Hand.

Antonella Sequeira ist seit zwei Monaten Mami. Auf dem Weg zur «perfekten Mutter» vermisst sie ab und an eine Bedienungsanleitung für die «Maschine» Baby und teilt ihre Empfehlung für die Zusammenstellung einer Babyhausapotheke. Marlena Zimmerli ergänzt, bei welchen Gesundheits- und Entwicklungsfragen sie mit natürlichen Therapiemethoden bei ihrer Familie gute Ergebnisse erzielt. Mit dem Thema «Zahnen» setzt sich Marianne Rey momentan nicht nur in der Apotheke auseinander, denn ihre 8-monatige Tochter ist seit kurzem stolze Besitzerin zweier Zähnchen – aber da kommen noch mehr.

Das Tox Info Suisse verzeichnet ungefähr 20 000 Anfragen im Jahr wegen Kindervergiftungen. Wir haben Dr. Karen Gutscher für ein ausführliches Interview zum Thema befragt.

Dr. Christa Etter hat ihre Kinderarztpraxis in Suhr. Am 13. Juni wird sie in Schöftland im Rahmen des Lindenforums über Notfälle bei Kindern referieren. Wir freuen uns bereits jetzt auf das Expertenwissen und die praktischen Ratschläge von Dr. Etter. Die Einladung zum kostenlosen Vortragsabend finden Sie auf der letzten Seite.

Wir wünschen Ihnen doppelte Freude: im Umgang mit Kindern und bei der «Lindenblatt»-Lektüre

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Ratgeber

Wenn die ersten Zähne kommen

Wann bekommt ein Baby seine ersten Zähne?
Babys bekommen ihre ersten Milchzähne im Alter von 6 bis 8 Monaten. Die Entwicklung der Milchzähne beginnt aber bereits ab der 6. bis 8. Schwangerschaftswoche. Bis zur Geburt sind schon alle 20 Milchzähne unter dem Zahnfleisch im Knochen angelegt.

Welche Anzeichen für das Wachstum der Zähne gibt es?
Wenn Ihr Baby beginnt, seine kleinen Fäuste und Fingerchen in den Mund zu stecken, der Speichelfluss stark erhöht ist und es vielleicht auch rote Backen hat, sind das mit grosser Wahrscheinlichkeit Anzeichen für die ersten Zähne. In dieser Entwicklungsphase haben die Kleinen oftmals eine erhöhte Körpertemperatur, schlafen schlecht oder sind unleidlich. Besonders beim Einschlafen machen sich natürlich die Schmerzen bei den Babys bemerkbar, die Ablenkung des Tages ist weg, und mit diesen Schmerzen im Mund findet sich der Schlaf sehr schlecht. Es kann deshalb sein, dass Ihr Baby in dieser Phase zwar unleidlich, aber sehr anhänglich ist. Klar, in der Nähe von Mama und Papa sind die grössten Schmerzen immer weniger schlimm. Durchfall muss nicht zwingend direkt mit dem Zahnen zusammenhängen. Ich habe bereits erwähnt, dass nun die Phase beginnt, in der alles (zuerst einmal die eigenen Händchen und Füsschen) mit dem Mund ausprobiert wird. Dementsprechend werden Bakterien aufgenommen, die wegen des noch nicht stark ausgebildeten Immunsystems Beschwerden bereiten, allerdings auch helfen, dagegen immun zu werden.

Wie können Beschwerden gelindert werden?
Da das Kind gerne auf allem Möglichen herumbeisst, nimmt es vielleicht gerne einen Beissring,

Marianne Rey, eidg. dipl. Apothekerin, Verwalterin Lindenapotheke Entfelden

welchen man zuvor auch in den Kühlschrank legen kann. Den gleichen Stimulationseffekt bewirkt übrigens auch ein «Rüebli» aus dem Kühlschrank. Probieren Sie es aus. Ausserdem gibt es Gels sowie homöopathische Mittel (Globuli), welche gegen die Zahnungsbeschwerden helfen können. Wenn die Schmerzen sehr stark sind, kann auch ein Schmerzzäpfchen gegeben werden. Vielleicht nimmt das Baby in dieser Zeit wieder lieber den Schoppen als den Brei. Der gewohnte Sauger hat sich in der Erinnerung des Babys bewährt und ist ihm in dieser Schmerzsituation lieber. Der Löffel wird in diesem Alter meistens halt von jemand anderem in den Mund geführt. Es ist gut möglich, dass die Kleinen den «Fremdkörper Löffel» in der Zahnungsphase als unangenehm empfinden.

Ab wann müssen die Zähne geputzt werden?
Sobald der erste Zahn da ist, soll dieser auch geputzt werden. Am besten nimmt man eine sehr weiche Babyzahnbürste und eine Kinderzahnpaste. Ab dem ersten Zahn bis zum zweiten Lebensjahr sollen die Zähne einmal täglich geputzt werden, danach zweimal täglich. Wir helfen Ihnen bei weiteren Fragen rund ums Zahnen – und bei allen anderen Fragen rund um Ihre Familie – gerne in allen Lindenapotheken weiter.

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Frisch gewickelt

Windeln: Wickeln, Waschen, Wegwerfen

 

Wickeln
Bei den alten Ägyptern wurden die Kleinkinder wie Mumien bis zum Hals eingewickelt. Die Windel war wie eine Fessel. Es galt die Annahme, dass die Gliedmassen des Kindes dadurch schöner wachsen würden. Im Alltag lag der Nutzen dieser Art der Wickeltechnik aber auch darin, dass die Eltern das Kind irgendwo an einen Nagel hängen und ungestört ihren Geschäften nachgehen konnten.

Diese Wickelpraxis übernahmen sowohl die Griechen, die Römer als auch die Germanen. In der Neuzeit wurden dann nicht nur unbekannte Länder entdeckt, sondern auch eine neue Wickelpraxis. Neben Gold und Gewürzen brachten die Entdecker zu Zeiten Kolumbus auch die Beobachtung mit, dass es Völker gibt, die ohne Mumienwindeln auskamen. Trotz der fehlenden Windelstütze waren die Wirbelsäulen der Kinder trotzdem gerade. Es war der erste Schritt hin zum befreiten Baby.

Waschen
Bis der zweite Schritt gegangen wurde, dauerte es allerdings. Noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts hing das halbstrangulierte Baby an einem Nagel und roch schlecht. Erst fünfzig Jahre später setzte sich in bürgerlichen Kreisen die Meinung durch, dass die Kindheit eine eigenständige Lebensphase sei und deshalb besonderer Aufmerksamkeit bedürfe. Mediziner und Philosophen schrieben also zahlreiche Ratgeber. In diesen war plötzlich die Warnung vor den Schäden zu lesen, die die festen Hüllen der Blutzirkulation und dem Wachstum des Kindes zufügen könnten.

Die neue Anschauung setze sich allerdings eher langsam durch: im 18. Jahrhundert wurde die neue Wickelidee formuliert. Das heisst, dass die luftdichten Korsette durch weichere, luftigere Baumwoll- und Leinentücher ersetzt wurden. Das Wort «windelweich» datiert aus dieser Zeit – windelweich wurden nun die Babys eingewickelt. Mit der Erfindung der Sicherheitsnadel wurde das Wickeln perfektioniert. Auch die Reinigung der Tücher wurde durch die Herstellung von Waschmittel erleichtert. Weil das Waschen der Windeln leichter fiel, erwartete die Gesellschaft nun aber, dass diese häufiger gewechselt wurden.

Neue Hygienestandards und die Angst, durch deren Unterlassung die Entwicklung des Kindes zu schädigen, hatten zur Folge, dass nun gewickelt wurde, was das Zeug hält. Bis zu zwanzigmal die Windeln zu wechseln, war normal. Aber war das auch praktikabel? Ärzte brüteten nun über Ernährungsweisen, damit das Wickeln auf sechs- bis achtmal reduziert werden konnte. So oder so, das Recycling der Windeln war offenkundig allerhand Aufwand und Belastung.

Wegwerfen
Während der beiden Weltkriege hatte die Verbandsstoffherstellung enorme Fortschritte gemacht. Das Prinzip der wegwerfbaren Wundverbände war dann auch die Basis für den Prototyp der Wegwerfwindeln. 1956 entwickelte ein amerikanischer Grosspapa, der von den überdimensionalen Schmutzwindelbergen genervt war, die wegwerfbare Höschenwindel mit eingelegtem Saugkissen aus hochgereinigter Zellulose. 1961 kam dann das marktfähige, für Mittelstandsfamilien erschwingliche Produkt «Pampers» auf den Markt.

In Europa dauerte es allerdings seine Zeit, bis die Pampers zum Alltagsgegenstand wurden. Die Mentalität der Sparsamkeit hielt sich über die Kriegszeiten hinaus und machte viele Eltern immun gegen die Vorteile des Wegwerfens. Erst als sich hervortat, dass das Waschen der Stoffwindeln ebenso teuer war, freundete man sich mit den «Abfallbergen» an. Der Siegeszug des Wegwerfhöschens war unaufhaltbar. Zahlenquellen: www.welt.de

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Erbrechen auslösen ist immer falsch

Verhalten bei toxikologischen Notfällen

Die Lindenapotheke hat sich mit Frau Dr. med. Karen Gutscher über ihren Arbeitsalltag bei Tox Info Suisse, insbesondere über Vergiftungsfälle bei Kindern, unterhalten.

Von täglich mehr als 100 Beratungen betreffen mehr als die Hälfte der Auskünfte des Tox Kinder. Wie bewerten Sie am Telefon, ob eine Situation als Notfall zu priorisieren ist? Gibt es allgemeingültige Aussagen in Bezug auf die Schwere einer Vergiftung?
Bei mehreren zeitgleichen Anfragen nehmen wir eine Priorisierung vor. Das heisst, wir schätzen die Schwere eines Falls ab. Es kann so vorkommen, dass eine gerade laufende telefonische Beratung unterbrochen wird, weil die Dringlichkeit der neuen Anfrage höher eingestuft wird.

Jede Anfrage ist ein Einzelfall und entsprechend als solcher zu behandeln. Besonders bei Anfragen, die Kinder betreffen, ist es nicht immer möglich, generelle Empfehlungen abzugeben. Zwar gibt es ein Merkblatt über Vergiftungen, Auflistungen giftiger und ungiftiger Pflanzen aller Art oder eine Broschüre, was bei Schlangenbissen zu tun ist. Weil aber vier von fünf Anfragen beim Tox unvorhersehbare Unfallsituationen betreffen, haben die involvierten Personen diese Merkblätter nicht zur Hand.

Besteht der Verdacht, dass ein Kind eine giftige Substanz eingenommen hat oder damit in Kontakt gekommen ist, ist es meine Aufgabe - auf Basis der verfügbaren Informationen - abzuschätzen, ist es eine harmlose Situation oder kann es heikel werden. Anhand der Substanz, der maximal aufgenommenen Menge und dem Wirkungseintritt (sofort oder erst später) treffe ich die Entscheidung, was zu tun ist. Je genauer die Angaben sind, die ich erhalte, desto präziser sind unsere Voraussagen. Ich gehe immer vom schlimmsten möglichen Vergiftungspotenzial aus. Es kann daher durchaus sein, dass ein Kind zur Überwachung ins Spital muss, auch wenn im Endeffekt gar keine Symptome auftreten werden. Zum Teil, reicht eine reine Beobachtung, zum Teil versuchen wir aktiv zu intervenieren und die Aufnahme der Substanz oder ihre Wirkung zu verhindern. Erbrechen auslösen ist aber immer falsch. Auch das Auspumpen des Magens wird heute kaum mehr praktiziert. In Einzelfällen wird spezifisch mit der Kamera (Gastroskopie) etwas aus dem Magen geholt.

In vielen Fällen geben wir Entwarnung und die Betreuungsperson kann das Kind zu Hause behalten.

Wie sieht das Vorgehen beispielsweise bei einer Vergiftung mit Alkohol oder Seife aus?
Bei einer Vergiftung mit Alkohol - meist nehmen Kinder wegen des Geschmacks nur eine geringe Menge auf - tritt die maximale Wirkung nach einer Stunde ein. Wenn nach vier Stunden Beobachtungsphase nichts passiert ist, ist die Gefahr vorbei. Während dieser Zeit sollte man dem Kind zuckerhaltige Getränke verabreichen.

Wenn das Kind eine grössere Menge Seife eingenommen hat, wird es sich häufig bereits nach wenigen Minuten übergeben. Hier empfiehlt es sich, rasch einen Entschäumer zu geben (siehe Box "Erste Hilfe nach der Einnahme").

Unsere Erfahrung zeigt, dass die tatsächlich aufgenommene Menge einer Substanz meistens niedriger war als die geschätzte Maximalmenge.

Wie entscheiden Sie im Einzelfall über das weitere Vorgehen?
In der Toxikologie kann man sich auf keine Studien am Menschen abstützen. Die gibt es nicht. Tierstudien helfen auch nicht. Unsere Empfehlungen basieren auf Beobachtungsstudien bei Vergiftungsfällen und Datensammlungen.

Bei Tox Info Suisse wird das Fachpersonal im ersten Monat theoretisch und praktisch eingeführt und sehr engmaschig betreut. Es geht darum, die Datenbanken und die häufigsten Substanzen zu kennen. Ich arbeite seit 12 Jahren im Tox und merke: Je länger ich dabei bin, desto schneller kann ich im Einzelfall die Situation einschätzen. Ich weiss mittlerweile beispielsweise, welche Putzmittel ich genauer anschauen muss.

Allerdings darf ich mich nicht darauf verlassen. Vor ein paar Jahren bemerkten wir z.B. eine Häufung von Atemschwierigkeiten im Zusammenhang mit Imprägnierungssprays, die bis dato keine uns bekannte schwere Vergiftungsgefahr darstellten. Das Problem war, dass es eine Änderung in der Zusammensetzung dieser Sprays gab, die das gehäufte Auftreten von Atemschwierigkeiten durchaus erklärte und zum Rückzug des Produkts führte.

Was sind häufige Kindervergiftungen?
Kinder probieren Dinge, die sie nicht kennen, gerne mit dem Mund aus. So auch die Waschmaschinenpads, die in Form und Farbe für Kinder sehr "gluschtig" ausschauen. Solche Pads enthalten eine hohe Konzentration an chemischen Substanzen. Auch WC-Reiniger neben der Toilette und Duftsteine/Fresh-Discs im WC sehen zum "Anbeissen" aus und finden den Weg in den Mund: Sie sind in optimaler Kinderhöhe platziert, die kleinen Kinder können günstig am WC-Rand aufstehen, und Kinder planschen gerne am Wasser.

Welche Gefahren werden von uns Erwachsenen in der Umgebungen von Kindern leicht bersehen?
Aufgepasst auf alles, was in Griffnähe der Kinder ist. Auf dem Wickeltisch kriegen schon die Kleinsten schnell das Händedesinfektionsmittel oder das Babypuder in die Hände. Problematisch sind Medikamente, die Erwachsene griffbereit platzieren, damit an deren Einnahme gedacht wird.

Stichwort Medikamente: wir werden oft angefragt, was zu tun ist, wenn Kids Vitamine oder die Anti-Baby-Pille geschluckt haben. Im Normalfall ist dies unbedenklich. Vorsicht ist hingegen bei Eisentabletten geboten. Die ähneln in Form und Farbe teilweise Smarties und sind ausgerechnet mit einer süsslichen Schicht überzogen. So schlucken Kids oft mehrere Tabletten. Das kann deftige Vergiftungserscheinungen zur Folge haben. Ebenfalls gefährlich sind Antidepressiva, Schmerzmittel (opiathaltig und Paracetamol in grossen Mengen), Antiepileptika, Blutzuckermedikamente, muskelentspannende Substanzen und gewisse Hustensäfte.

Was ist Ihre Message an Betreuungspersonen von Kindern?
Egal wie fest Sie aufpassen, es kann immer etwas passieren. Kinder können mehr, als wir ihnen zutrauen. So können sie sehr wohl auch mal einen kindersicheren Verschluss öffnen. Und weil der Husten- oder Schmerzmittelsirup so gut schmeckt, ist dieser auch in Sichtweite auf dem Schrank nicht sicher. Auch wenn wir denken, das kann mein Kind noch nicht, ist es manchmal doch flinker auf einem Stuhl und in der Höhe und somit am Medikament dran, als wir denken. Fragen Sie lieber einmal zu viel nach bei uns als einmal zu wenig. Ganz wichtig ist auch, dass Sie sich sofort absichern. Wenn Ihr Kind am Nachmittag eine komische Beere gegessen hat, warten Sie nicht, bis das Kind abends im Bett schläft, rufen Sie umgehend die Nummer 145 an. Es lohnt sich nicht, selber nach der Toxizität einer Beere im Internet zu recherchieren. Die Menge und die Inhaltsstoffe machen das Gift.

Was sind Ihre Tipps und Tricks zur Vorbeugung von Kindervergiftungen?
Keine Produkte mit bekannten gefährlichen Inhaltsstoffen kaufen, z. B. Rohrreiniger oder gewisse Produkte für künstliche Fingernägel (Primer). Bewahren Sie Medikamente und giftige Stoffe in der Originalverpackung auf. Füllen Sie gefährliche Flüssigkeiten nicht in Getränkeflaschen um. Falls es sich nicht vermeiden lässt, Chemikalien und giftige Stoffe zu kaufen oder durch weniger giftige oder ungiftige Produkte zu ersetzen, bewahren Sie diese in separaten, abschliessbaren Fächern (mindestens 1,6 m über Boden) auf, z. B. Frostschutzmittel und Enteiser. Beachten Sie Warnaufschriften und die Gebrauchsanweisung und entsorgen Sie Giftreste und abgelaufene Medikamente fachgerecht (Verkaufsstelle oder Apotheke).

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Die perfekte Mutter?

Antonella Sequeira, Pharma-Assistentin und Kosmetikerin in Entfelden, über die ersten Wochen als Mama

Hilfe, die Anleitung fehlt!

Die ersten Stunden als Mutter erlebte ich im Spital. Schrie mein Baby und war nicht zu beruhigen, griff ich nach dem Klingelknopf. Einen Babyschrei später zeigte mir eine Krankenschwester, was das Problem ist und wie es zu lösen ist. Ich vermisse den Klingelknopf ab und an, jetzt, zu Hause. Anstatt Knopfdruck gehe ich in Gedanken meine Liste durch: Volle Windel? Nein, ist doch frisch. Hunger? Die letzte Mahlzeit war doch erst? Müde? Ist es etwas Schlimmeres? Quälen mein Baby Krämpfe? Der Kleine schreit fürchterlich, nichts funktioniert, nichts beruhigt. In diesen Situationen fehlt mir eine Baby-Bedienungsanleitung. Ich zweifle an meinem Mutterinstinkt. Ich müsste doch wissen, was dem kleinen Mann fehlt.

Zeit und die geeignete Grundausstattung an Hilfen aus der Apotheke
Es vergehen ein paar Tage, ein paar Wochen. Und die Sache mit dem Baby klappt besser und besser. Mittlerweile erkenne ich an der Art des Weinens, was das Problem ist. Ja, wirklich. Es ist nach wie vor nicht immer einfach mit einem Neugeborenen. Für mich ist wichtig, dass ich entspannt und mit allem Nötigen ausgestattet in eine schwierige Situation komme. Wir von der Apotheke können den Start mit der richtigen Ausstattung unterstützen: – Gute Schoppenflaschen helfen gegen Koliken – Geeignete Nuggis für eine ideale Gebiss- und Zahnentwicklung – Babyfreundliche Hautpflege – Beratung für die Grundausstattung einer Babyapotheke Ich merke, dass ich froh bin, gewisse Dinge bereits im Haus zu haben. Denn alle schwierigen Situationen sehe ich auch jetzt nicht kommen. So weiss ich aber, dass ich trotzdem vorbereitet bin.

Hilfe annehmen
Ich habe ausserdem gelernt, dass ich Hilfe annehmen und akzeptieren darf. Und ich spreche über Unsicherheiten und nehme mir so den Druck, eine perfekte Mutter sein zu müssen. Eltern und Kinder brauchen Zeit, um sich aneinander zu gewöhnen. Zwar hatten wir neun Monate Vorbereitungszeit auf unser Elterndasein, aber nur mit der Zeit nach der Geburt gibt es die Chance, sich als Eltern mehr und mehr zu bewähren.

Einladung zum Vortragsabend

Notfälle bei Kindern - was tun?

Dr. med. Christa Etter, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin

Dienstag, 13. Juni 2017

mit Dr. med. Christa Etter

Dr. med Christa Etter ist Mitinhaberin einer Doppel-Kinderarztpraxis (mit Dr. Wolfang Brunschweiler) in Suhr

Schwerpunktthemen
Notfälle bei Kindern – welche Eltern oder Grosseltern haben sich dazu nicht schon Sorgen gemacht? Wie reagiere ich richtig? Wann braucht es eine Ärztin / einen Arzt, wann sogar Spital oder Ambulanz? Von Stürzen über Vergiftungen bis zu Fieberkrämpfen – Dr. Christa Etter versucht einen Überblick über die häufigsten, alltäglichen Notfälle bei Kindern zu geben. Sie zeigt mit praktischen Beispielen auf, wie Eltern und Angehörige sinnvoll reagieren und helfen können.

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Kurz-Lebenslauf:

 

  • Abschluss Primarlehrerpatent
  • Tätigkeit als Primarlehrerin
  • Medizinstudium an den Universitäten Freiburg und Bern
  •  Assistenzzeit an den Spitälern Huttwil (Innere Medizin), Aarau, Baden und Chur (Pädiatrie) sowie an der Kinderuniversitätsklinik Bern (Kinderchirurgie)
  • Einblicke in die medizinische Arbeit in afrikanischen Entwicklungsländern
  • Facharzttitel FMH für Kinder- und Jugendmedizin
  • Mitinhaberin einer Doppel-Kinderarztpraxis (mit Dr. Wolfgang Brunschwiler)
  • In der Praxis auch Ausbildungstätigkeit für Kinderärztinnen und medizinische Praxisassistentinnen, Co-Expertin an Facharztprüfungen
  • Seit 2014: Humanitäre Einsätze als Kinderärztin für swisscor in der Schweiz und Moldawien

19.00 Eintreffen der Gäste

19.30 Referat Dr. med. Christa Etter und im Anschluss offene Gesprächsrunde mit Apéro

Veranstaltungsort: Lindenapotheke AG, Dorfstrasse 38, 5040 Schöftland

 

Online-Anmeldung: forum@lindenapo.ch 
Da die Teilnehmerzahl beschränkt ist, werden die Anmeldungen nach Eingang berücksichtigt.


Die Veranstaltung wie auch der anschliessende Apéro werden Ihnen von der Lindenapotheke kostenlos offeriert.