die Angst

Das Thema des Lindenblatts, das Sie jetzt in den Händen halten, handelt von «Angst» oder im Plural von «Ängsten». Häufig haben wir nicht vor etwas klar Definiertem Angst, sondern wir werden von Ängsten geplagt. Meiner Meinung nach ist es ein wenig verdreht, sich in einer Zeit, in der es der Bevölkerung statistisch gesehen noch nie so gut gegangen ist, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Wir haben Reisefreiheit, Meinungsfreiheit, seit langem herrscht in der Schweiz Frieden und wir können die Kosten unserer Landesverteidigung gemessen an den Gesamtausgaben senken. Gesellschaftliche und religiöse Grenzen wurden gesprengt, wir können tun und lassen, was wir wollen und haben dazu einen Vorsorgestaat aufgebaut, der uns immer wieder hilft, zurück auf die Beine zu kommen. Eigentlich haben wir eine Zukunft ohne Sorgen und Nöten vor uns. Ich stelle hier die Frage, mit wieviel Freiheit der Mensch umgehen kann. Die Antwort bleibe ich an dieser Stelle schuldig. Im Apothekenalltag sind wir stark mit folgenden Nöten konfrontiert: viele Leute fühlen sich nicht wohl, können nicht schlafen oder sind in ihrer Gefühlswelt verunsichert. Anscheinend überfordert uns die totale Freiheit. Zusätzlich leben wir in einer Welt, in der für viele schwierig erkennbar ist, wo noch Aufstiegsmöglichkeiten bestehen. Verlust und Zukunftsängste plagen uns. Wie sieht es in zehn Jahren aus? Glück? Oder gilt weiterhin das Sprichwort, dass jeder seines Glückes Schmied ist?

Für mich ist klar: wer – sei es als Einzelperson oder als Kollektiv – sich auf Lorbeeren ausruht, wer in der Zukunft nur Risiken statt Chancen sieht, der wird unweigerlich den hohen Standard verlieren. Wir leben in einem System des Wettbewerbs, ob wir wollen oder nicht.

Das ist auch das Motto für die Weiterentwicklung unserer Lindenapotheken: Wir werden weiter in die Zukunft investieren, so wie kürzlich in Oberentfelden und letztes Jahr in Rupperswil. Der Kundenkontakt soll nicht mit dem Verkauf eines Medikamentes beendet sein. In den Lindenapotheken sollen weiter Dienstleistungen angeboten werden, die Ihrer Gesundheit und Ihrem Wohlergehen dienen. So können Personen, die mehr als 5 Medikamente miteinander einnehmen müssen, sich bei uns mittels eines Polymedikations-Checks eine exakte Übersicht über Wirkung, Nebenwirkung, Zeit der Einnahme und weiterer wichtiger Kriterien verlangen. Wir wollen uns als erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen präsentieren.

Wer sich weiterentwickelt, muss auch bereit sein, ausgetretene Pfade zu verlassen. Wer weiss heute, welche die zentralen Probleme in zehn Jahren sind? Welches Wissen wird uns zur Verfügung stehen und welche Mittel der Kommunikation und Verständigung?

Ich finde, wenn wir uns aktiv mit diesen Fragen auseinandersetzten, können wir der Zukunft angstfrei ins Auge blicken.

Aus diesen Überlegungen schält sich eine Weisheit heraus, die schon für jede Generation gegolten hat: Das kollektiv sorgenfreie Leben ohne Kollisionen der gegenseitigen Persönlichkeitsrechte wird es nie geben, auch wenn wir heute in einer Zeit leben, in der das Individuum noch nie so grossen Schutz genossen hat.

Das meint ihr Lindenapotheker
Herzlichst

Dr. Andreas Brunner

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Ratgeber

Generika Substitution – ein Angstthema bei Ihnen?

Wegen der Einsparungen im Gesundheitswesen werden Generika und die Substitution durch das EDI (Eidgenössisches Department des Inneren) gefördert. Der Grund ist simpel: Generika sind günstiger. Der Wirkstoff, der im Generikum verwendet wird, entspricht exakt jenem des Originalpräparates.

Ich als Apothekerin kann ein Originalpräparat nach eingehendem Informationsaustausch, Beratung und Absprache mit dem oder der Patient/in durch ein geeignetes Generikum ersetzen. Aus Dokumentationszwecken informiere ich den zuständigen Arzt über die Wahl des Medikaments. Eine Ausnahme ist es, wenn der Arzt explizit die Abgabe des Originals verlangt! Das wird handschriftlich auf dem Rezept «aus medizinischen Gründen nicht substituieren» vermerkt. Die Krankenkasse muss diese Bemerkung akzeptieren und Ihnen das Originalpräparat zahlen.

Im Kundenkontakt ist es für mich wichtig, durch eine fundierte Informationsvermittlung und nachhaltiges Herausspüren der Haltung der Patienten, die Angst vor einer Substitution zu nehmen. Der Wechsel auf ein Generikum ist in den meisten medikamentösen Therapien unkompliziert möglich. Meines Erachtens ist aber entscheidend, dass der Patient mit dem Wechsel einverstanden ist. Nur so wird der maximale Behandlungserfolg gewährleistet. Meine Erfahrung zeigt, dass überzeugte Patienten Medikamente regelmässig einnehmen und die Therapie durchziehen.

Ich versichere Ihnen, Generika sind in Bezug auf Verträglichkeit, Wirksamkeit und Sicherheit mit dem Original austauschbar. Die Medikamente durchlaufen strenge Tests.

Der Kosten-unterschied der Medikamente ist darin begründet, dass bei der Generika-Herstellung Wirkstoffe eingesetzt werden, die sich während vieler Jahre bewährt haben. Die Entwicklung von Originalmedikamenten ist mit einem hohen Forschungsaufwand verbunden. Der Patentschutz, der 20 Jahre gültig ist, garantiert vergleichsweise hohe Preise und sichert die Kostendeckung für Forschung und Entwicklung. Erst nach Ablauf der 20 Jahre dürfen überhaupt Generika mit dem entsprechenden Wirkstoff hergestellt und verkauft werden.

Ich wiederhole nachdrücklich, dass Sie als Patient entscheiden, welches Medikament Sie einnehmen wollen. Je nachdem kommt ein höherer Selbstkostenanteil bei der Krankenkassenabrechnung hinzu. Mir als Apothekerin ist es wichtig, Ihnen zu versichern, dass ein mulmiges Gefühl oder sogar Angst vor einer Substitution nicht nötig sind. Sie erhalten den gleichen Wirkstoff, aber aufgrund der oben beschriebenen Gesetze und Abläufe zu einem niedrigeren Preis. Ihre Gesundheit ist das oberste Ziel. Gemeinsam entscheiden wir, was für Sie das Richtige ist. 

Hochgefühle und Spitzenleistungen

Lust auf Angst

Schauen Sie Fernsehen? An einem normalen Wochentag haben Sie die Auswahl zwischen mindestens acht verschiedenen Psychothrillern, Action- oder Horrorfilmen. Haben Sie gewusst, dass weit mehr Krimis gedreht werden als Komödien?Offensichtlich fühlen wir uns wohl, wenn wir sehen, wie Menschen ermordet oder bedroht werden. In Filmen ist die Angst natürlich virtuell. Auch echtes Unglück ist faszinierend. Live-Übertragungen aus Krisengebieten erzielen beeindruckende Einschaltquoten.

Sich in Gefahr zu bringen, löst höchste Glücksgefühle aus. Die meisten von uns waren schon auf einer Achterbahn. Andere suchen den Kick beim Bungee-Jumping, Bergsteigen oder Fallschirmspringen. Das Gefühl von unkontrollierbarem Risiko löst in uns ein spezielles Lustgefühl aus. Durch diese unmittelbar provozierte Angst treten alle anderen Ängste, die wir im Alltag erleben, in den Hintergrund. Diese Überwindung von planbaren Ängsten ist mit intensivem Genuss verbunden.

Angst als Antrieb und Chance

Angst kann die treibende Kraft sein, die zu herausragenden Leistungen anstachelt und die Phantasie und Kreativität steigert.

 

Fast alle Eigenarten der Menschen – die guten und die schlechten – sind durch Angst erklärbar. Der dänische Philosoph Søren Kierkegaard sagte über diese Dialektik der Angst: «Die Angst lähmt nicht nur, sondern enthält die unendliche Möglichkeit des Könnens, die den Motor menschlicher Entwicklung bildet.»

Angst gibt die unendliche Energie, die für Spitzenleistungen erforderlich ist. Berühmte Musiker beispielsweise haben oft Angst zu versagen. Auch Politiker oder Sportler leiden häufig an ausgeprägten Ängsten. Sie werden von einem übermässigen Ehrgeiz und Versagensängsten gesteuert. Es erfordert unglaubliche Entschlossenheit, Ausdauer, Tatkraft und Beharrlichkeit an der Spitze zu stehen. Das kann nur durch eine dahinter stehende Angst erklärt werden.

Wer häufig unter Angst leidet, kann diese Emotionen bekämpfen, indem er bis zur Erschöpfung übt, komponiert, malt oder schreibt. Die Gefühle, die aus der Angst geboren werden, werden mittels der Kunst oder anderweitigen Leistung, auf ein Publikum übertragen.

Viele Verhaltensweisen von Menschen sind durch Angst erklärbar. Angst – wenn sie nicht zu stark ist – ist ein Teil von uns, der unserem Leben eine gewisse Würze gibt. Sie gehört zu uns und macht uns zu dem, was wir sind. 

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Zweckmässige Angst

Ein bisschen Angst hat jeder. Diese allgemeine Weisheit trifft zu. Die Angst als fürsorgliche Gefährtin ist für uns ein Schutzschild vor möglichen Gefahren. Der segensreiche Instinkt lässt Sie vorsichtig Auto fahren, Türen gut abschliessen und sich gewissenhaft auf Prüfungen vorbereiten. Das bringt durchaus Vorteile im Leben. Zur Bewältigung der unangenehmen Emotionen bauen wir Häuser und finden Obhut. Wir machen Feuer und vertreiben Kälte, Dunkelheit und wilde Tiere. Auf der Suche nach Sicherheit, nach Auswegen aus der Angst entwickelte der Mensch zum Beispiel Religion und Wissenschaft. Ein bisschen Angst hat jeder. Auch positive Gefühle, die wir anderen Menschen entgegen bringen, schüren in uns die Angst: Wärme, Geborgenheit, Liebe. Oftmals sind diese nämlich mit der Angst gekoppelt, das angenehme Wohlsein und die hoffnungsvolle Vertrautheit wieder loslassen zu müssen – die Angst vor schmerzhaftem Verlust. Jeder von uns kennt die oben beschriebenen alltäglichen Befürchtungen. Sie sind real, berechtigt und in gewissem Sinne logisch. Was wir haben, besitzen und lieben, wollen wir nicht hergeben. Auch Krankheit, Unglück und Kriminalität existieren. Unabhängig von der Wahrscheinlichkeit, mit der sie uns betreffen, sind das echte Gefährdungen. Angst davon zu haben, ist normal.

Unnötige, absurde Ängste

Ein bisschen Angst hat jeder. Manche aber leiden an übertriebenen, unnötigen Ängsten. Rätselhafte Befürchtungen, die wenig mit den wirklichen Gefahren zu tun haben, die uns bedrohen. Die Angst ist hier nicht mehr Schild, sondern Speer. Diese krankhaften Ängste sind im Leben von Betroffenen äusserst dominant. Auf den ersten Blick erfüllen sie keinen höheren Sinn und sind eine wirklich lästige Plage. Allerdings müssen wir keine Philosophen sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass nichts in dieser Welt überflüssig ist - nicht die Stechmücken, die Brennnesseln oder die Löcher in der Hosentasche. Folglich auch nicht diese Art der Angst.

Gründe für Angststörungen können erblich, erlernt und auch biochemisch sein: Unzählige Komponenten können einen angstkrank machen. Mittels verschiedener Therapieansätze kann gegen die Angst gekämpft, sie abtrainiert und überwunden werden. Dadurch lässt sich der Lebensradius erweitern und ein reicheres Leben führen.

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Der Autopilot

Reflexe bestimmen unseren Alltag

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie kommen in die Lindenapotheke und treten an den Korpus, um Ihre Wünsche zu äussern. Die Mitarbeitende entfernt sich, um die Medikamente zu holen. Als sie wieder zu Ihnen tritt, greift sie in die Tasche und schleudert Ihnen aus dem Nichts eine Klapperschlange entgegen. Wie reagieren Sie?

Mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit werden Sie panisch schreien und zur Seite springen. Gratulation, Ihr Überlebens-Autopilot funktioniert einwandfrei. Aber war diese Reaktion rational? War die Situation den Trubel wert? Wie wahrscheinlich ist es – nach Ihrem Wissen und Ihrer Erfahrung – dass wir Ihnen in der Lindenapotheke eine lebende Schlange entgegen schleudern? Genau. Gar nicht. Wieso dann trotzdem der Fluchtreflex? Sämtliche Sinneseindrücke gelangen in den Thalamus. In dieser Schaltstation werden sie sortiert und weitergeleitet. Das Bild der Schlange lässt die Amygdala, unsere körpereigene Alarmanlage, blitzartig reagieren. Die Plastikschlange sieht aus wie eine richtige. Die Abwehr wird vorbereitet: Der Körper erstarrt, Puls, Atemfrequenz und Blutdruck werden erhöht, Blutzufuhr von Verdauungstrakt, Niere und Haut gedrosselt

Falls man kämpfen oder flüchten muss, steht für Muskeln und Gehirn genügend Sauerstoff bereit. Das hauseigene Opiatsystem wird angeworfen, Schmerzen lenken jetzt ab. Der Zweck von Reaktionen wie Schreien, feuchten Händen, Hühnerhaut, geweiteten Pupillen und nassen Hosen ist nicht restlos geklärt. Die Hühnerhaut geht vielleicht auf die Zeit zurück, als wir von Natur aus Pelzträger waren. Wenn sich die gesamten Körperhaare aufstellten, liess ihn das grösser und angsteinflössender wirken. Warum wir uns aus Angst in die Hosen machen, ist vielleicht schlicht, um Ballast abzuwerfen, damit wir schnellstmöglich sprinten können. Unterdessen wird der Sinneseindruck der Schlange vom Thalamus in den visuellen Cortex (Sehrinde)

geschickt. Das Bild wird analysiert und mit bestehendem (Erfahrungs-)Wissen verknüpft: langes Ding, geringelt, bewegt sich schleichend – Schlange! Möglicherweise giftig, gefährlich, in der Lindenapotheke bestimmt aus Plastik. Diese Botschaft gelangt zur Amygdala und löst Entwarnung aus. Der Angstreflex ist auch im heutigen Alltag ein notwendiges Überlebenswerkzeug. Wer bei echter Gefahr zögert, ist verloren. Danach setzt das Denken ein. Was auch immer dann entschieden und getan wird, es soll das Angstgefühl vermindern.

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Vom bellenden Kampfhund

und vom schüchternen Reh

 

Wovor haben Sie Angst?

Was finden Sie riskanter: ein Kernreaktor oder das Sonnenlicht? Und welche Todesursache fordert Ihrer Meinung nach weltweit effektiv am meisten Opfer: Krieg, Suizid oder Mord? Die schlimmsten Nuklearunfälle in der Geschichte sind Tschernobyl und Fukushima. Laut Schätzungen zu Folge ist man in der Ukraine von mehr als 10‘000 Toten ausgegangen. 25 Jahre später sind weniger als 100 Tote zu beklagen. In Japan forderte die Katastrophe mehr als 1‘600 Opfer. Gleichzeitig sterben jährlich weltweit in der Schweiz und Deutschland zusammen 3‘300 Menschen an an Hautkrebs, der gewöhnlich durch übermässige Einwirkung von Sonnenstrahlung verursacht wird. In den meisten Jahren kommen weniger Menschen durch Kriege zu Tode als durch Mord. Die Anzahl der Menschen, die sich das Leben nehmen, ist fast doppelt so hoch wie die Anzahl der Ermordeten.

Die Wahrscheinlichkeit von Risiken

Diese beiden Beispiele sollen aufzeigen, dass wir uns häufig vor den unwahrscheinlichen Gefahren am meisten fürchten. Vice versa sorgen wir uns zu wenig um die Risiken, die sehr viel wahrscheinlicher eintreten. Die statistisch schlimmste Verwüstung in Tschernobyl entstand in den Ängsten der Mütter damals, dass ihre ungeborenen Kinder vergiftet sein könnten. Als Folge davon wurden 100‘000 unnötige Abtreibungen vorgenommen. Der durch radioaktive Strahlung verursachte Schaden war winzig im Vergleich zu dem Schaden, der von der Angst vor Strahlung verursacht wurde. Eingebildetes Grauen führt in unzähligen Situationen zu realen Tragödien. Paradoxerweise ist es nicht die Gefahr selber, die Unheil bringt. Der Ursprung liegt so oft in den Ängsten der Menschen.

Der emotionale Sinn

Wir neigen dazu, die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses daran zu beurteilen, wie leicht wir es uns vorstellen können. Wir denken, Mord kommt häufiger vor als Suizid, weil sich der Tod eines anderen Menschen sehr viel leichter denken lässt als Selbstmord. Und je leichter und lebhafter eine Gefahr vorstellbar ist, desto beängstigender ist sie auch. Rational ist das nicht, aber emotional. Oftmals ist uns nicht bewusst, dass unsere Entscheidungen von Gefühlen gesteuert werden.

Eine übertriebene Reaktion auf "unreflektierte" Gefühle - ein Zusammenschrecken im Angesicht des vermeintlichen Risikos - ist oft das grösste Risiko für unser Handeln. Wir neigen dazu, dem Risiko eine emotionale Qualität zu verleihen. Vor welchem Tier haben Sie grössere Angst? Vor einem bellenden Kampfhund oder einem scheuen Reh?

In der Schweiz werden jährlich 20'000 Unfälle (meist mit dem Auto) mit Wildtieren gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte hier hoch sein. Unfälle mit Hunden (Hundebisse) sind nicht einmal halb so wahrscheinlich. Trotzdem ängstigen wir uns intuitiv mehr vor dem zähnefletschenden Hund. Die Emotionen schlagen den Verstand.

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Einladung zum Vortragsabend

 

Dienstag, 20. Januar 2015

mit Prof. Dr. med. Oswald Oeltz, Bergsteiger

Der Vorarlberger wurde 1943 geboren. Bereits mit 5 Jahren startete er zu seiner ersten Bergtour, mit 8 träumte er vom Himalaja und mit 16 stand er auf dem Matterhorn. Er kletterte damals den 6. Schwierigkeitsgrad (entspricht der extremsten Schwierigkeit am Berg). Oelz studierte Medizin in Innsbruck.


Ab 1986 liess er sich am Unispital Zürich zum Internisten ausbilden. Von 1978 bis 1991 war er dort Oberarzt. Ab 1991 bis 2006 war Oelz Chefarzt für Innere Medizin am Triemli-Spital Zürich. Er liess sich bewusst frühzeitig pensionieren. Der begeisterte Bergsteiger ist einer der besten Höhenmediziner. Zur Zeit ist er Schafzüchter (laut eigenen Angaben hat er die schönsten Tiroler Steinschafe derSchweiz), freier Autor (eigene Bücher, Kolumne in der Bilanz), Bergsteiger, Ratgeber für medizinische Fragen und Vortragsredner. Im Januar 2015 im Rahmen des Lindenforums.


Der Bergsteiger Oelz ist eine lebende Legende: Seine weltweiten Expeditionen liessen ihn viele grosse Alpenwände durchsteigen und Erstbegehungen in den Alpen, Alaska, Jordanien und dem Oman vollziehen. Oelz war der dritte Bergsteiger auf den sogenannten «Seven Summits», den jeweils höchsten Gipfeln der sieben Kontinente.

Die Angst

Als Bergsteiger extrahiert Oelz zwei Momente. Die Zeit am Berg ist zuerst so intensiv, weil man sich wirklich bewusst ist, was man tut. Plötzlich gibt es da eine Angst um sein Leben. Danach, wenn die Momente der tatsächlichen Gefahr, überwunden sind, gibt es dieses zufriedene Glück, diesen «wunderbaren Stolz». Oelz sagt, die Überwindung der Angst sei eine Droge. Die Lust, immer wieder die eigenen Grenzen zu pushen, die Lust, vor Anstrengung und Angst zu schwitzen,

sind Oelz von klein auf in die Wiege gelegt. Seine Mutter hat ihm beigebracht: «Lerne, dich zu überwinden und anzustrengen». Der Umgang mit der Angst – auch vor dem Tod – entscheidet, wie wir dieses Leben leben. Oelz regt sich nicht auf, über Dinge, die er nicht ändern kann. So zum Beispiel den Tod. Die Angst ist auch ein Geschäft. Medizinische Vorsorgetests sollen uns vor dem Tod schützen. Das Unausweichliche kann trotzdem niemand vermeiden. Oelz ist ein Verfechter, das Glück im Diesseits, im eigenen herrlichen Leben, zu suchen.

Am Rande der Angst im Oman